{"id":1625,"date":"2021-03-30T12:09:24","date_gmt":"2021-03-30T10:09:24","guid":{"rendered":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/?page_id=1625"},"modified":"2024-12-26T12:41:22","modified_gmt":"2024-12-26T11:41:22","slug":"amis-beliebt-russen-nicht","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/amis-beliebt-russen-nicht\/","title":{"rendered":"Warum waren die Russen so unbeliebt?"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es kam, dass die Amis, die uns am 14. April 19454 befreiten, letztendlich beliebter waren, ja oft zu richtigen Freunden der Bev\u00f6lkerung wurden, wie das Beispiel West-Berlin zeigt als gleichzeitig die Russen, die am 2. Juli 1945 gem\u00e4\u00df der Absprache von Jalta in Th\u00fcringen einr\u00fcckten, zum verh\u00f6hnten, zum Teil gehassten Besatzer wurden. Das Wort &#8222;Russe&#8220;, das immer mehr als Schimpfwort benutzt wurde, durfte in den kommenden Jahren in der DDR eigentlich nicht mehr in den Mund genommen werden. Es b\u00fcrgerte sich ein, dass von &#8222;die Freunde&#8220;, offiziell aber NUR von den Br\u00fcdern in der ehemaligen DDR gesprochen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00f6rg Baberowski hat in seinem 2012 erschienen Buch &#8222;Verbrannte Erde   Stalins Herrschaft der Gewalt&#8220; eine bemerkenswerte Analyse des Sieges der Russen \u00fcber die Deutschen auf Seite 403 verfasst:<br>&#8222;Hitlers Soldaten f\u00fchrten keinen Weltanschauungskrieg, sie f\u00fchrten vielmehr einen Krieg, dessen Dynamik sie nicht mehr entkamen. Die Nationalsozialisten hatten einen Vernichtungskrieg vom Zaum gebrochen, den sie, als sich das Kriegsgl\u00fcck wendete, nicht mehr unter Kontrolle bringen konnten. Nicht weil sie \u00dcberzeugungen hatten, verrohten die Soldaten, sondern weil ihnen die Bedingungen keine Wahl mehr lie\u00dfen. Die Wehrmacht hatte sich \u00fcber alle geltenden Konventionen hinweggesetzt und die Rote Armee zahlte es mit gleicher M\u00fcnze heim, unter Bedingungen, die Technik und milit\u00e4risches K\u00f6nnen wertlos machten. Sie schr\u00e4nkten den Spielraum der Gewaltakteure ein, andere L\u00f6sungen als die Vernichtung des Gegners zu finden, und eben darin lag die Bedeutung, die Nationalsozialisten wie Bolschewiki dem Vernichtungskrieg beima\u00dfen. Denn Hitler und Stalin gefiel der Vernichtungskrieg, weil in ihm Feinde nicht besiegt, sondern ausgerottet wurden und weil er ihnen die M\u00f6glichkeit gab, ihre Untaten und Verbrechen mit der Notwendigkeit des Krieges zu rechtfertigen. Auf den Vernichtungskrieg im staatsfernen Raum waren die Bauernsoldaten der Roten Armee allerdings besser vorbereitet als ihre Gegner, die auf fremden Terrain f\u00fcr eine Sache k\u00e4mpften, die sie nichts anging. Hitler war schlecht beraten, Krieg gegen ein Regime zu f\u00fchren, dem die Massengewalt zur zweiten Natur geworden war und dessen Soldaten mit dieser Gewalt umzugehen verstanden. Gegen einen solchen Gegner konnte die Wehrmacht auf Dauer nicht Sieger bleiben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00fcnther Sommermeyer&#8216; s letzter Regimentskommandeur Oberst Fritsche spricht in seinen Erinnerungen davon, dass &#8222;der Russe b\u00f6sartig angriff&#8220;. Ich glaube die Amis haben nie &#8222;b\u00f6sartig&#8220; angegriffen. Es wird &#8222;immer&#8220; davon berichtet, dass die Amis auf Nummer sicher gingen, bevor sie sich in extrem gef\u00e4hrliche Kampfsituationen begaben. Das der feige Einmarsch der Wehrmacht in das riesen Reich im Sommer 1941 vielleicht auch &#8222;b\u00f6sartig&#8220; war, auf die Idee kommt der Herr Eichlaub-Tr\u00e4ger nicht. Es ist genau wie es Baberowski formuliert hat. Die Geister die das deutsche Milit\u00e4r gerufen hat, hat es auf dem Weg nach Stalingrad und erst recht danach nicht mehr beherrscht. Und folgerichtig musste es zur Niederlage kommen. Es war nur eine Frage der Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;F\u00fcr Stalin und seine Gener\u00e4le waren die Bauernsoldaten, die den Angreifern entgegengeworfen wurden, nichts weiter als austauschbare Nummern und Kanonenfutter. Man behandelte sie wie Leibeigene, die von inkompetenten und verschreckten Kommandeuren in das Maschinengewehrfeuer der Angreifer getrieben wurden und bei sinnlosen Sturmangriffen zu Tausenden ums Leben kamen. In Stalingrad wurden im Herbst 1942 Zehntausende von usbekischen, kirgisischen und tatarischen Soldaten bei selbstm\u00f6rderischen Angriffen geopfert, die weder die Befehle der russischen Offiziere noch den Sinn des gro\u00dfen Sterbens verstanden.&#8220; (ebenda S. 428)<br>Im 2001 erschienen Film, &#8222;Duell &#8212; Enemy at the Gates&#8220; wird beeindruckend dargestellt, was der deutsche Landser wohl unter einem &#8222;b\u00f6sartigen Angriff&#8220; der Russen verstand sowie ein beeindruckender Beleg des oben zitierten. Der Film spielt im Herbst 1942 in Stalingrad und handelt vom Duell des Scharfsch\u00fctzen der Roten Armee Wassili Saizew und Major K\u00f6nig, dem Scharfsch\u00fctzen der Wehrmacht. <br>Bemerkenswert f\u00fcr unser Thema sind die Anfangsszenen des Films, in denen Saizew, der sich erst zum Scharfsch\u00fctzen entwickeln wird, mit seinen Kameraden vom \u00f6stlichen Ufer der Wolga in die umk\u00e4mpfte Stadt mit Motorbooten \u00fcbergesetzt wird. Saizew &#8222;muss&#8220; ohne Gewehr in den Kampf ziehen, da nicht f\u00fcr jeden K\u00e4mpfer Handfeuerwaffen zur Verf\u00fcgung standen. Auf die Frage, woher er ein Gewehr bekommen k\u00f6nnte, verwies der Politoffizier\/Kommissar, der dann w\u00e4hrend der \u00dcberfahrt ununterbrochen Stalins Propagandaschriften schreiend verlas, auf die Waffen der Gefallenen. Und genauso kam es. Kurz nach der Ausschiffung (einige Boote erreichten nicht mal das westliche Ufer) hob er &#8222;sein&#8220; Gewehr vom Schlachtfeld auf und rannte dem feindlichem Feuer entgegen. Wie gro\u00df allerdings war die \u00dcberraschung bei den Soldaten, als die Rotarmisten den sinnlosen Sturmangriff mit Flucht in die Ausgangstellung beenden wollten, schlug ihnen MG-Feuer aus einer sogenannten Sperreinheit, aufgestellt von den eigenen Leuten hinter der Kampfeinheit, hier am Ufer der Wolga, entgegen. Jeder sowjetische Soldat hatte nun die Wahl, durch eine sowjetische Kugel oder durch die der &#8222;Faschisten&#8220; zu fallen. Die Wahl fiel in solchen F\u00e4llen fast ausnahmslos auf die deutsche Kugel. Und das war f\u00fcr die Deutschen das &#8222;b\u00f6sartige&#8220; daran. Wie der vielk\u00f6pfige Drachen, dem aus jedem abgeschlagenen Kopf neue erwuchsen, kamen sich die Landser dort in der endlosen Weite der Kalm\u00fccken Steppe vor. Festgekrallt in Erdl\u00f6schern und in den Kellern der H\u00e4userruinen am westlichen Steilufer der Wolga durchlebten sie in Stalingrad, was es hei\u00dft den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Befehl_Nr._227\" target=\"_blank\">Befehl Nr. 227<\/a> des Volkskommissars f\u00fcr Verteidigung der UdSSR vom 28.07.1942 live zu erleben. &#8222;In dem Augenblick, in dem Geschichte stattfindet, erleben Menschen Gegenwart.&#8220; (Neitzel\/Welzer). In den 2014 von Jochen Hellbeck ver\u00f6ffentlichten Buch &#8222;Die Stalingrad Protokolle&#8220; kommen Soldaten alle Dienstr\u00e4nge zu Wort, die diese Verfahrensweise an der Front durch ihre Berichte best\u00e4tigen und dokumentieren (genauso hatte es G\u00fcnther Sommermeyer von den Russen erz\u00e4hlt). Noch w\u00e4hrend der Schlacht machte sich eine Historiker Kommission nach Stalingrad auf den Weg, um Augenzeugenberichte f\u00fcr die Historie zu sammeln. Diese beeindruckenden Protokolle wurden &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; unter Verschluss gehalten und erst nach 2000 &#8222;freigegeben&#8220;. Diese hat Hellbeck \u00fcbersetzt, recherchiert und selektiert und im o. g. Buch ver\u00f6ffentlicht. Es sind beeindruckende Dokumente. \u00c4hnlich wie das Neitzel\/Welzer mit dem Buch &#8222;Soldaten  Protokolle vom K\u00e4mpfen, T\u00f6ten und Sterben&#8220; 2011 gelang, ein &#8222;Sittengem\u00e4lde&#8220; der deutschen Landser, die in englischer Gefangenschaft sich befanden und abgeh\u00f6rt wurden, abzubilden, konnte Hellbeck das ad\u00e4quat f\u00fcr die Soldaten der Roten Armee festhalten (allerdings im Unterschied zu Neitzel\/Welzer nur f\u00fcr einen bestimmten Zeitabschnitt und einem begrenzten Ort &#8211; Stalingrad Herbst 1942 &#8211; und &#8222;nur&#8220; Berichte, die der allgemeinen Linie entsprachen, finden sich im Buch. Dar\u00fcber hinaus fehlt die sozialpsychologische Bewertung, wie das Harald Welzer im o. g. Buch in beeindruckender Weise darlegt, hier v\u00f6llig). Hat man die &#8222;Verbrannte Erde Stalins Gewaltherrschaft&#8220; von J\u00f6rg Baberowski gelesen, kann man die in &#8222;Selbstzensur&#8220; verfassten Berichte wichten. Offensichtlich waren sie aber noch zu ehrlich, da sie ja 20 Jahre unter Verschluss gehalten wurden. Der Leser ist gut beraten, diese Berichte des Kampfgeschehens im Herbst 1942 in den Ruinen von Stalingrad kritisch unter dem Aspekt, wie Stalins Terror gewirkt hat, zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kampfweise erkl\u00e4rt u. a. wohl nachhaltig, warum die Sowjetunion so viele Tote im 2. Weltkrieg beklagen musste. Die Totes Zahlen werden deshalb auch immer mal wieder nach oben korrigiert. Jetzt, 2021 wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um mehr als 27,5 Mio Toten handeln m\u00fcsste. Unter Stalin wurde die Zahl bei 20 Mio Toten eingefroren. Stalin konnte kein Interesse daran haben, dass sich irgendwelche Historiker oder gar Journalisten mit diesen Zahlen befassen w\u00fcrden und vielleicht noch hinter das &#8222;Geheimnis&#8220; gekommen w\u00e4ren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Z\u00e4hlen auch die Gener\u00e4le und Offiziere mit zu den Kriegstoten, die Stalin im Juni 1941 eindringlich vor dem Angriff der Deutschen gewarnt hatten, wie der Chef der sowjetischen Luftwaffe, Pawel Rytchagow, der Stalin ins Gesicht sagte, &#8222;da\u00df die Flugzeuge der Luftwaffe nicht einsatzbereit seien und abst\u00fcrzten, weil die politische F\u00fchrung die Piloten zwinge, in &#8222;S\u00e4rgen&#8220; zu fliegen.&#8220; (s. ebenda S. 398)? Am 24.06.1941 wurde der General verhaftet, gefoltert und im Oktober 1941 als Verr\u00e4ter erschossen?<\/li>\n\n\n\n<li>Z\u00e4hlen auch die Heimkehrer aus deutscher Gefangenschaft mit zu den Weltkriegstoten, die nach ihrer Ankunft in der Heimat in den GULAG gesperrt wurden und j\u00e4mmerlich gestorben sind? Sie galten als Vaterlandsverr\u00e4ter und Feiglinge. Deren Familien waren ja schon nach Osten deportiert worden, weil sie nicht mehr Teil der Gesellschaft sein durften. Diese Familien wurden per LKW oder per Waggon verschleppt und einfach irgendwo in Kasachstan bsplw. &#8222;ausgekippt&#8220; im wahrsten Sinne des Wortes.<\/li>\n\n\n\n<li>Z\u00e4hlen die im Sp\u00e4tsommer t\u00e4glich 400 erschossenen fahnenfl\u00fcchtigen Soldaten an der Leningrader Front auch zu den Toten?<\/li>\n\n\n\n<li>Z\u00e4hlen die &#8222;fast 4.000 Angeh\u00f6rigen der Baltischen Flotte &#8230; des Jahres 1941&#8220; (ebenda S. 430), die hingerichtet wurden auch in der Statistik der k\u00e4mpfenden Truppe?<\/li>\n\n\n\n<li>Z\u00e4hlen die zwischen August und Oktober 1941 durch Standgerichte auf Grundlage des Befehls 227 zum Tode verurteilten mehr als 20.000 Soldaten auch zu den zu beklagenden Toten?<\/li>\n\n\n\n<li>Z\u00e4hlen die &#8222;allein w\u00e4hrend der Schlacht um Stalingrad&#8220; mehr als &#8222;13.500 sowjetische Soldaten als Deserteure, Feiglinge oder Simulanten standrechtlich erschossen&#8220; (ebenda S. 430) wurden auch zu den Gefallenen?<\/li>\n\n\n\n<li>Z\u00e4hlen &#8230; die Liste ist unendlich lang<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Da es keine Hinweise auf die Erstellung der Erfassung der Kriegstoten der k\u00e4mpfenden Truppe gibt, sind Zweifel hier wohl angebracht. Es sollte nicht verwundern, wenn die Zahl der Weltkriegstoten der ehemaligen Sowjetunion irgendwann mal &#8222;wieder&#8220; weiter nach oben korrigiert werden, wenn die n\u00e4chsten Archive ge\u00f6ffnet werden oder\/und weitere Wahrheiten \u00fcber den Terror in der Roten Armee &#8222;aufgedeckt&#8220; werden.<br>In der einschl\u00e4gigen Kriegsliteratur der Sowjetunion, die erst in den 60er Jahren &#8222;zugelassen&#8220; wurde, ist kaum etwas von den Sperrabteilungen geschweige denn vom Terror zu finden. Das Stalin im <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Befehl_Nr._227\" target=\"_blank\">Befehl Nr. 227<\/a> vom 28.07.1942 befohlen hatte &#8222;Nicht einen Schritt zur\u00fcck&#8220;, wird thematisiert. Was nicht thematisiert wird, sind diese Abteilungen und vor allem nicht die Konsequenzen f\u00fcr jeden Einzelnen bei eventueller Gefangennahme sollten sie sich als &#8222;Feiglinge&#8220; darstellen. &#8222;Nat\u00fcrlich&#8220; gibt es Historiker, die die konsequente Handhabung der Sperrabteilungen relativieren, wie das z. Bsp. der amerikanische Professor f\u00fcr sowjetische Sozial- und Milit\u00e4rgeschichte Roger R. Reese  darstellt. Belege, dass diese Abteilungen in geringer Gr\u00f6\u00dfe mit lediglich Handfeuerwaffen ausgestattet waren, finden sich in den Berichten nicht. Im Befehl steht, dass &#8222;&#8230; gut bewaffnete Einheiten (bis 200 Mann), die unmittelbar hinter unzuverl\u00e4ssigen Divisionen einzusetzen sind und die Aufgabe haben  &#8230; jeden Fl\u00fcchtigen und Feigling zu erschie\u00dfen.&#8220;!!<br>Fakt ist: Seitens der russischen Seite wird dieses Thema totgeschwiegen. Warum? Ja ne snaju (ich wei\u00df es nicht).<br>Also halten wir uns an die Aussagen der sowjetischen Soldaten aus den Interviews und was schwarz auf wei\u00df geschrieben wurde.<br>Was Augenzeugen und der kommandierende Generale Tschuikow (Oberbefehlshaber der 62. Armee) selbst berichten ist, dass er Kommandeure und Kommissare vor versammelter Mannschaft ohne Ank\u00fcndigung spontan erschoss, weil diese um Befehl zum R\u00fcckzug baten (Die Stalingrad Protokolle, J. Hellbeck 2012, S. 67). Diese Gegebenheit wird auch bei Baberowski aufgef\u00fchrt (ebenda S. 426): &#8222;Als der sp\u00e4tere Marschall Tschuikow Ende 1942 in Stalingrad eintraf, um im Auftrag Stalins die Stadt zu verteidigen und um jeden Preis zu halten, bestand seine erste Amtshandlung darin, Offiziere zu erschie\u00dfen, um den Soldaten vor Augen zu f\u00fchren, was geschehen w\u00fcrde, wenn sie sich seinen Befehlen widersetzen.&#8220;<br>&#8222;Stalins Terror verwandelte Millionen Menschen in seelische Kr\u00fcppel, weil er sie zwang, sich in einer Ordnung des Mi\u00dftrauens und der Furcht einzurichten.&#8220; (ebenda S. 15)<br>Im Film &#8222;1942: Ostfront&#8220; von Igor Kopylov von 2019 geht es darum, das eine fast aufgeriebene Einheit der Roten Armee die Stellung halten soll bis die versprochene Verst\u00e4rkung eintrifft. Langsam wird den Soldaten klar, dass sie hingehalten werden, als die Verst\u00e4rkung ausbleibt. Die Verst\u00e4rkung kommt nicht, statt dessen erscheint ein fanatischer Kommissar, der nur auf der Suche nach den zuvor abgeworfenen deutschen Flugbl\u00e4ttern ist. Mit verbaler Gewalt geht er die Soldaten an, bis er &#8222;endlich&#8220; ein Opfer gefunden hat, das unerlaubter Weise das Flugblatt gelesen hat. Dieser Soldat soll umgehend im Niemandsland durch den Kommissar erschossen werden. Da kommt der deutsche Angriff dazwischen und pl\u00f6tzlich ist der Delinquent und der Kommissar zwischen den Fronten. Dieser Film ist symptomatisch daf\u00fcr, wie die Rote Armee mit ihren Soldaten umgegangen ist und wie die Ideologie ALLES bestimmt hat. Der Film endet in einem Gemetzel, das keinen russischen Soldaten eine Chance lie\u00df zum \u00dcberleben. Sie wurden einfach sinnlos geopfert, von ihren Kommandeuren dem Feind als Fra\u00df vorgeworfen. Ein bemerkenswerter Film, der ahnen l\u00e4sst, warum die Sowjetunion so viele Tote zwischen 1941 und 1945 zu beklagen hat.<br>&#8222;Zu Anfang glaubten auch die Bauernsoldaten, die in der Roten Armee dienten, da\u00df die Gefangenschaft dem Kampf vorzuziehen sei. &#8230; So gro\u00df war die Demoralisierung, da\u00df sich die sowjetischen Soldaten zu Hunderttausenden in Gefangenschaft begaben. &#8230; Keine andere Armee des Zweiten Weltkrieges brachte es auf solche hohe Zahl von Deserteuren und \u00dcberl\u00e4ufern.&#8220; (ebenda S. 411f) Deshalb auch der Befehl 227 vom Sommer 1942 zu Beginn der Stalingrader Schlacht.<br>Im Buch &#8222;Secondhand-Zeit&#8220; von der Literaturnobelpreistr\u00e4gerin Swetlane Alexijewitsch 2013 ver\u00f6ffentlichte Interviews, finden wir auf S. 527 das Interview von Irina Wassiljewa: &#8222;Es stimmt etwas nicht mit der Welt, in der wir leben. Wie es in einem Witz hei\u00dft: Unsere Menschen sind gut, aber unser Volk ist b\u00f6se.&#8220;<br>Der Einzelne z\u00e4hlt nichts. Ger\u00e4t dieser zwischen die Malsteine, hilft ihm keiner. Er wird ohne mit der Wimper zu zucken ins Feuer geschickt und sein Tod wird billigend in Kauf genommen. Reicht das noch nicht? Dann los, die n\u00e4chsten vor. <br>Aber zitieren wir nochmal Baberowski (S. 396): &#8222;Hitlers Soldaten marschierten in einen Gewaltraum, dessen Bewohner das Grauen schon gesehen und erlebt hatten. Viele Menschen empfanden die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten als Fortsetzung einer Leidensgeschichte, die f\u00fcr sie schon zehn Jahre vorher begonnen hatte. So sahen es auch die stalinistischen Funktion\u00e4re, Tschekisten und Kommissare, die ihre F\u00e4higkeiten nunmehr in den Dienst des Vernichtungskrieges stellen konnten. Immer schon hatten sie Krieg gef\u00fchrt, aber jetzt erst entfalteten die Praktiken des terroristischen und gewaltt\u00e4tigen Kampagnenstaates ihre eigentliche Wirkung. Kein System war auf den Krieg als Lebensform besser vorbereitet als Stalins Despotie. Denn sie hatte vor dem Krieg keine R\u00fccksicht auf das Leben von Menschen genommen, und sie tat es auch nach Ausbruch des Krieges nicht.&#8220;<br>Es wird in diesen Berichten davon erz\u00e4hlt, dass ganze Einheiten zu 100% unter gegangen sind. Die letzten folgen ihren Kameraden in den Tod ohne Aussicht auf die Chance zum \u00dcberleben. <br>Das sollen nur ein paar Beispiele sein, die exemplarisch f\u00fcr den herrschenden &#8222;Geist&#8220; innerhalb der Roten Armee aufgez\u00e4hlt wurden. Trotz der Drangsalierungen in allen m\u00f6glichen Nuancen k\u00e4mpften die Rotarmisten doch ebenso wie die anderen Soldaten mit Enthusiasmus f\u00fcr ihre Sache. Ob falsch, wie bei den Deutschen oder richtig, sie alle waren keine Feiglinge.<br>Dabei \u00fcbernahmen die Mitglieder der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kommunistische_Partei_der_Sowjetunion#:~:text=1952%20wurde%20die%20Partei%20in%20Kommunistische%20Partei%20der%20Sowjetunion%20umbenannt.&amp;text=1922%20%C3%BCbernahm%20Josef%20Stalin%20das,Person%20zugeschnittenen%20diktatorischen%20Machtbefugnis%20ausstattete.\" target=\"_blank\">Kommunistischen Partei der Sowjetunion<\/a> eine ganz entscheidende, &#8222;vorbildhafte&#8220; Rolle, ganz im Sinne von V\u00e4terchen Stalin. Um die ideologische Komponente in den k\u00e4mpfenden Einheiten zu installieren, wurde die Verfahrensweise aus dem B\u00fcrgerkrieg \u00fcbernommen: Eine milit\u00e4rische Einheit (mindestens vom Regiment an aufw\u00e4rts) wird immer vom Kommandeur und dem Kommissar gef\u00fchrt. Beide m\u00fcssen\/sollten sich in den Entscheidungen einig sein. So wollten die &#8222;Genossen&#8220; verhindern, dass es &#8222;Feigheit vor dem Feind&#8220; in den Kampfabteilungen geben w\u00fcrde. Die zentrale V\u00f6lkergruppe dabei waren die Russen. Sie gingen als Elite voran.<br>In den Protokollen kommt es immer wieder zu Hinweisen auf die asiatisch abstammenden K\u00e4mpfer, die nicht als vertrauensw\u00fcrdig galten und die man im Auge behalten m\u00fcsste. Notfalls musste nachgeholfen werden, wie oben dargelegt mit Hilfe sogenannter Sperrabteilungen.<br>Aber letztendlich lag es zunehmend an der Ideologie. Wenn der deutscher Landser sich manchmal fragte, was will ich denn am Don oder an der Wolga, k\u00e4mpfte der Rotarmist um jeden Meter seine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mutter-Heimat-Statue_(Wolgograd)\" target=\"_blank\">Rodina mat<\/a>, seiner Mutter Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Erfahrungen, gleichsam das negative Potential brachte jeder einzelne K\u00e4mpfer in der Roten Armee in seiner geschundenen Seele mit nach Deutschland. Das jeder einzelne seine Erfahrungen in unterschiedlichen Situationen, ob selbst am eigenen Leib oder in der Familie oder Freundeskreis erlebt, spielte dabei keine Rolle. Das entscheidende dabei war, das wohl JEDER eine stalinistisch gepr\u00e4gte Vita &#8222;hinter sich&#8220; hatte. &#8222;Obendrauf&#8220; kommt dann noch der Hass auf die &#8222;Okkupanten&#8220;, die seiner Familie oder Freunden eventuell tiefes Leid zugef\u00fcgt haben.<br>Als die Rote Armee dann im Oktober 1944 erstmals die deutsche Reichsgrenze in Ostpreu\u00dfen \u00fcberschreitet, wird von den geknechteten &#8222;leibeigenen&#8220; Soldaten die B\u00fcchse der Pandora ge\u00f6ffnet. Sie war angef\u00fcllt mit erlittenen Grausamkeiten, sinnlosen Befehlen, oft das reinste Himmelfahrtskommando, schlechter Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung, den st\u00e4ndigen L\u00fcgen der Propaganda und der bitteren Erkenntnis, dass ihr Leben nichts wert ist.<br>Mit diesen Erfahrungen und den Belastungen sowie im t\u00f6dlichen W\u00fcrge-Griff ihrer Kommandeure und Politkommissaren \u00fcberschritten die Armeen Ende 1944, Anfang 1945 die deutsche Grenze endg\u00fcltig. Jetzt konnte jeder einzelne der Bauernsoldaten sein erworbenes Potential der Grausamkeiten an die unbewaffnete Bev\u00f6lkerung, und hier vornehmlich den Frauen gegen\u00fcber, die ihnen schutzlos ausgeliefert waren, anwenden. Dabei machten sie keinen Unterschied zwischen deutschen Frauen, befreiten KZ-H\u00e4ftlingen unerheblich welcher Nation (wie in Ravensbr\u00fcck) oder gar &#8222;eigenen&#8220; Frauen, die nach Deutschland deportiert worden waren. Sie wussten was es bedeutet Grausamkeiten zu erdulden, jetzt k\u00f6nnen sie endlich auch mal grausam sein und sich so einiges von der Seele &#8222;schaffen&#8220;. Bis jetzt war man immer der Meinung, das war der Rache geschuldet. Mitnichten! <br>Und genau diese Einsch\u00e4tzung, das die Gewaltorgien der Angeh\u00f6rigen der Roten Armee eben keine einfache Vergeltung war, beschreibt Baberowski auf S. 437: &#8222;Nicht weil sie Rache nehmen wollten, t\u00f6teten und vergewaltigten sie, sondern weil sie ihre eigene Erniedrigung \u00fcberwanden, wenn sie andere ihre Macht sp\u00fcren lie\u00dfen. Als die Offiziere nach dem Einmarsch der Roten Armee in Polen, Ungarn und Deutschland die Schleusen f\u00fcr eine kurze Zeit \u00f6ffneten und den Bauernsoldaten erlaubten, was sonst nur den Herren zustand, ergo\u00df sich eine Welle der Gewalt \u00fcber die eroberten Territorien.&#8220;<br>Mit diesem Potential, dieser &#8222;gelebten&#8220; Spur der Gewalt ziehen die traumatisierten Soldaten der Roten Armee auf zweifelhaften Fahrzeugen in abgerissenen Uniformen Anfang Juni in Gera bzw. in ganz Th\u00fcringen ein. Die Gewalt Exzesse gegen\u00fcber den Frauen haben auf dem Weg nach Th\u00fcringen stark abgenommen, aber die Angst vor der Brutalit\u00e4t, der damit einhergehenden Unberechenbarkeit der M\u00e4nner aus allen Ecken der gro\u00dfen Sowjetunion, blieb in der Bev\u00f6lkerung latent vorhanden. Wie sollte zwischen diesen Soldaten, die durch die Kriegsereignisse und dem Terror der eigenen Leute \u00fcber Jahre, ja Jahrzehnte hinweg gepr\u00e4gt und &#8222;besch\u00e4digt&#8220; waren und der deutschen Bev\u00f6lkerung, die seit Ende 1944 mittels der Propaganda auf diese Armee von &#8222;Untermenschen&#8220; eingeschworen wurde, ein funktionierendes und belastbares Zusammenleben m\u00f6glich sein?<\/p>\n\n\n\n<p>ES WAR NICHT M\u00d6GLICH!<\/p>\n\n\n\n<p>Auch zu DDR-Zeiten konnte nie ein vertrautes oder gar freundschaftliches Verh\u00e4ltnis zwischen der Bev\u00f6lkerung und den stationierten Einheiten der Roten Armee hergestellt werden. Sie waren all die vielen Jahre Besatzer, nicht mehr aber auch nicht weniger. Die einfachen Soldaten (zwischen 350.000 bis zu 500.000) wurden f\u00fcr die Zeit des Wehrdienstes, der 24 Monate dauerte, in ihren Kasernen &#8222;interniert&#8220;, kamen nicht in den Genuss von Ausgang oder Urlaub. Lediglich die Teilnahme an Veranstaltungen au\u00dferhalb der Kasernen in kleinen Gruppen waren m\u00f6glich. Ob im Rahmen von Pioniernachmittagen oder Zusammentreffen unter der \u00c4gide der &#8222;Gesellschaft f\u00fcr Deutsch-Sowjetische Freundschaft&#8220;, diese waren aber eher die Ausnahme als die Regel. Trotzdem waren die Wehrpflichtigen in der DDR privilegiert, da sie u. a. mehr Sold erhielten, an der modernsten Waffentechnik ausgebildet wurden und die &#8222;schickste&#8220; Uniform der gesamten \u0421\u043e\u0432\u0435\u0442\u0441\u043a\u0430\u044f \u0430\u0440\u043c\u0438\u044f&nbsp;(Sowjetarmee; bis 1946 Rote Armee) tragen durften. <br>Haben aber Kontakte, wie auch immer sie zu Stande gekommen waren, auf pers\u00f6nlicher Ebene stattgefunden, entdeckten die Deutschen dann, dass die &#8222;Russen&#8220; doch eigentlich ganz ok waren. Ja, das ging so weit, dass auch Liebesbeziehungen sich entwickelten, das Kinder geboren wurden, aber in der Regel keine Ehe Seitens der sowjetischen Seite zugelassen wurden (erst zum Ende der 80er Jahre kommt es zu vereinzelten Eheschlie\u00dfungen zwischen Soldaten\/Offizieren der Roten Armee und deutschen Frauen). Der &#8222;Br\u00e4utigam&#8220; wurde nach Bekanntwerden der &#8222;Liason&#8220;  umgehend nach Hause geschickt. Erst nach der Wende war es den Kindern m\u00f6glich nach ihrem Vater, ihren Spuren im Osten zu suchen und zum gr\u00f6\u00dften Teil auch zu finden. Wobei die V\u00e4ter in vielen F\u00e4llen bereits verstorben waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann so ein Volk, dass in der Menschheitsgeschichte in nie dagewesener Weise durch die eigenen Leute geschunden, gequ\u00e4lt, erniedrigt, belogen, bestohlen, vergewaltigt, gefolterter, unterdr\u00fcckt und get\u00f6tet wurde, in absehbarer Zeit die Demokratie &#8222;lupenrein&#8220; leben und t\u00e4tigen. \u00c4hnlich wie in der Weimarer Republik der Reichspr\u00e4sident als ehemals kaiserlicher Generalfeldmarschall keinen Sinn f\u00fcr die Demokratie hatte (bei offiziellen Anl\u00e4ssen trug er die kaiserliche Marschall Uniform!), so hat heute der Pr\u00e4sident der Russischen F\u00f6deration als ehemaliger Geheimdienstoffizier nur das t\u00e4uschen, betr\u00fcgen und bel\u00fcgen und manchmal auch noch das T\u00f6ten im Sinn. Wenn es sein muss, wird alles mit brutaler Gewalt durchgesetzt. Das ist die einzige Art und Weise, die in diesem Land immer zum Erfolg gef\u00fchrt hat.<br>Und das Recht ist ein Begriff, den kennen die Russen seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr, wenn \u00fcberhaupt jemals.<br><br>Es m\u00fcssen noch Generationen im Riesen-Reich der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russland\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Russl\u00e4ndischen F\u00f6deration<\/a> heranwachsen, bis dieses Volk den europ\u00e4ischen Wertekanon leben kann und LEBEN DARF.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/in-der-sowjetischen-besatzungszone\/\">zur\u00fcck<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es kam, dass die Amis, die uns am 14. April 19454 befreiten, letztendlich beliebter waren, ja oft zu richtigen Freunden der Bev\u00f6lkerung wurden, wie das Beispiel West-Berlin zeigt als gleichzeitig die Russen, die am 2. Juli 1945 gem\u00e4\u00df der Absprache von Jalta in Th\u00fcringen einr\u00fcckten, zum verh\u00f6hnten, zum&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1625","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1625","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1625"}],"version-history":[{"count":196,"href":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1625\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6973,"href":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1625\/revisions\/6973"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}