{"id":1631,"date":"2021-03-30T12:13:03","date_gmt":"2021-03-30T10:13:03","guid":{"rendered":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/?page_id=1631"},"modified":"2025-10-15T14:33:34","modified_gmt":"2025-10-15T12:33:34","slug":"was-ich-schon-immer-mal-sagen-wollte","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/was-ich-schon-immer-mal-sagen-wollte\/","title":{"rendered":"Was ich schon immer mal sagen wollte &#8230;"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"1631\" class=\"elementor elementor-1631\" data-elementor-post-type=\"page\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-36315f05 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"36315f05\" data-element_type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-49c8701c elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"49c8701c\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Wieso hatte Hitler so einen Erfolg und ganz Deutschland ist ihm hinterhergelaufen, wie einst die Kinder in Hameln? <br \/>Diese Frage hat mich all die Jahre nicht losgelassen.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Bis zu meinem Tod habe ich alles totgeschwiegen, nie \u00fcber diese Zeit ein Wort verloren. Auch in meinen Memoiren habe ich dar\u00fcber keinen Satz geschrieben, habe aber fast alle pers\u00f6nlichen Dokumente und Unterlagen aufgehoben, damit meine Enkel sp\u00e4ter sich ein eigenes Bild machen k\u00f6nnten. Wir haben f\u00fcr den Jubel und die Zustimmung in der Nazizeit mit der Vernichtung unserer Existenz 1945\/48 bezahlt. Also warum altes Zeug hervorkramen, ich habe das Ganze all die Jahre tief vergraben.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Aber nun muss ich mir das jetzt alles Mal von der Seele reden, respektive schreiben:<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Die Zeit nach dem Gro\u00dfen Krieg war nicht einfach f\u00fcr uns. Alles schien aus den Fugen geraten zu sein. Die Niederlage von 1918 sa\u00df tief; das Heer weit im Feindesland stehend und trotzdem kapituliert? Schon bald kam die<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dolchsto%C3%9Flegende\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Dolchsto\u00dflegende<\/a> auf (wir konnten nicht das falsche Spiel der Generalit\u00e4t durchschauen). Ob es das Geld war, was Anfang der zwanziger Jahre wertlos wurde, die politischen Z\u00e4nkereien, die kriegs\u00e4hnlichen Stra\u00dfenschlachten und die Besetzung des Rheinlandes, dann die Weltwirtschaftskrise mit ihren existenzzerst\u00f6renden Auswirkungen Ende der Zwanziger und noch weit in die Drei\u00dfiger hinein, das alles war zutiefst depressiv. Wo war das Ende des Tunnels?<br \/>Wir sehnten uns gerade zu, nach der guten alten Zeit zur\u00fcck, der Friedenszeit, als alles noch im Lot war. <br \/>Doch diese Zeit war unwiederbringlich verloren und vorbei. \u00a0<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Ende der 20er und Anfang der 30er schlug die Weltwirtschaftskrise voll durch. 1932 waren 6 Millionen Menschen ohne Arbeit bei 13 Millionen, die noch Arbeit hatten.<br \/>Da unsere Kunden schon immer aus betuchtem Hause stammten, sp\u00fcrten wir die Krise nur bedingt. Sommermeyer&#8217;s zum Beispiel hatten die Ziegelei schlie\u00dfen m\u00fcssen und Max ging \u201estempeln\u201c, wie man damals den Bezug von Sozialleistung nannte.\u00a0<br \/>1925 hatte sich die<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> NSDAP<\/a> neu gegr\u00fcndet und Anfang 1930 fasste sie in Th\u00fcringen Fu\u00df. Ihr Wahlprogramm las sich wie ein heilsbringendes Etwas. Die guten alten Zeiten schienen wieder m\u00f6glich. Warum nun gerade in Th\u00fcringen die Saat der NSDAP vor 1933 \u201eaufging\u201c und sie 1929 bereits 2 Minister stellen konnte bevor sie dann 1932 mit \u00fcber 42% der Stimmen die Regierungsgewalt \u00fcbernahm, kann ich nicht mehr sagen.<br \/>Mit Sicherheit gaben sie uns unsere W\u00fcrde und den Stolz zur\u00fcck, die doch beide in den letzten Jahren so unter die R\u00e4der gekommen waren. Das das auf Kosten anderer Bev\u00f6lkerungsgruppen, wie zun\u00e4chst den \u201eentarteten K\u00fcnstlern\u201c (exemplarisch sei hier nur das Weimarer Bauhaus genannt), den Schriftstellern, den Gewerkschaftlern, den kommunistischen und den sozialdemokratischen Politikern und Funktion\u00e4ren und schon bald auch und vor allem den Juden ging, war uns damals nicht bewusst.<br \/>F\u00fcr alle gab es die Droge des nationalen Sozialismus. Es wurde die<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Arbeitsfront\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Deutsche Arbeitsfront<\/a> installiert in der die Arbeiter, Ingenieure und, das war v\u00f6llig neu und einmalig, auch die Unternehmer, also die Chefs, organisiert waren. Die Ausbeutung war ein f\u00fcr alle Mal abgeschafft. &#8222;[popup_anything id=&#8220;1511&#8243;]&#8220;<br \/>Wo und wann gab es so etwas schon einmal?<br \/>&#8222;Als sich &#8230; 80 Millionen auf die Suche nach dem gef\u00fcrchteten j\u00fcdischen Gro\u00dfvater machten, war eine Art Einweihungsritual erreicht: Jedermann kam aus der Sache mit dem Gef\u00fchl heraus, zu einer Gruppe von &gt;Eingeschlossenen&lt; zu geh\u00f6ren, denen eine imagin\u00e4re Masse von &gt;Ausgeschlossenen&lt; gegen\u00fcberstand.&#8220; (Arendt, Hanna Elemente und Urspr\u00fcnge totaler Herrschaft, M\u00fcnchen 1996, S. 549). Ja, das war es! Wir geh\u00f6rten von nun an zu den Guten, die Bibel w\u00fcrde von den Auserlesenen sprechen. Meine T\u00f6chter, meine Dina und ich geh\u00f6rten der &#8222;Elite Deutschlands&#8220; an. Welch schicksalhafter Irrtum!<br \/>Sie boten in ihrer Propaganda die L\u00f6sung aller nationalen Fragen an, gleich verbunden mit der Antwort auf die Frage aller Fragen \u201ewer ist schuld, am Niedergang Deutschlands\u201c. F\u00fcr fast alles wurde subjektive Schuld bei einer einzigen Bev\u00f6lkerungsgruppen propagiert: Den Juden!!<br \/>Und wir? Wir glaubten das. Fragten nicht, wie das der kleine \u201eJ\u00fcd\u201c von nebenan anstellt, den n\u00e4chsten Krieg vorzubereiten. Waren wir doch diesen &#8222;Ausgeschlossenen&#8220; weit \u00fcberlegen (zu mindestens dachten wir damals so).<br \/>Es ging aufw\u00e4rts, nur das z\u00e4hlte. Das da Opfer \u201enotwendig\u201c waren und gebracht werden mussten, war wohl jedem bewusst und wurde so als etwas Nat\u00fcrliches hingenommen. Nicht unerw\u00e4hnt muss dabei die aggressive, polarisierende und segration\u00e4re Propaganda der Nazis bleiben. Sie kannte nur Freund oder Feind. Dazwischen gab es nichts. Mehr als einmal blieb ein bitterer Nachgeschmack zur\u00fcck, der allerdings bei uns nur kurze \u201eBeschwerden\u201c hinterlie\u00df, doch nicht ernst oder einfach nur nicht wahrgenommen werden wollte. Und unseren Freunden und Bekannten erging es genauso, so dass man sich gegenseitig die Richtigkeit der Ereignisse best\u00e4tigte. Wir standen auf der richtigen Seite! Und gut war es! In unserer Blase war die Welt schl\u00fcssig.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Und im Januar 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und dem Wahlsieg der NSDAP im M\u00e4rz griff auch wieder Recht und Ordnung im \u00f6ffentlichen Leben. Nicht zuletzt, weil im Februar am Rosenmontag der Reichstag brannte und die neue Regierung das zum Anlass nahm, um hart und brutal durchzugreifen und mit allen Gegnern unabh\u00e4ngig ihrer sozialen Herkunft abzurechnen. Seit dieser Zeit wussten wir eigentlich \u00fcber die &#8222;KL&#8220; (Konzentrationslager, sp\u00e4ter als KZ bezeichnet) bescheid. Sahen aber keine Veranlassung dar\u00fcber zu befinden. Sie waren da und damit wars genug. F\u00fcr uns bedeuteten die Lager keine Bedrohung, ganz im Gegenteil.<br \/>Die endlosen Diskussionen im Reichstag und das Ausbleiben der staatlichen Autorit\u00e4t geh\u00f6rten der Vergangenheit an. Endlich! <br \/>Alle uns zug\u00e4nglichen Quellen, wie Zeitung, Radio und der Wochenschau im Kino, berichteten nur noch \u00fcberschw\u00e4nglich \u00fcber die NEUE ZEIT und ihrem, <br \/>U N S E R E M \u00a0F\u00fchrer.<br \/>Diese \u201eNeuordnung\u201c ging mit einem beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung einher. Die Propaganda lief auf Hochtouren und demnach hatten wir nur Hitler den wirtschaftlichen Aufschwung zu verdanken, obwohl doch schon 1932 erste Anzeichen zur wirtschaftlichen Erholung sich ank\u00fcndigten. Und so f\u00fchlten wir auch: Heil unserem F\u00fchrer!<br \/>Auch in seiner Au\u00dfenpolitik gab der F\u00fchrer uns das so lang vermisste Gef\u00fchl \u201ewir sind wieder wer\u201c nach Jahren der Erniedrigung und v\u00f6lliger Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein zur\u00fcck. Der Status des entmilitarisierten Rheinlandes wurde im M\u00e4rz 1936 nach fast 18-j\u00e4hriger Besetzung durch alliierte Truppen handstreichartig beendet. Hitler holte in den kommenden Jahren alle Volksdeutschen (au\u00dfer die S\u00fcdtiroler) heim ins Reich. Zur \u201eKr\u00f6nung\u201c 1938 sogar seine ihm ekstatisch zujubelnden \u00f6sterreichischen Landsleute, die allerdings nach dem Krieg von dieser Begeisterung nichts mehr wissen wollten.<br \/>Die Sache mit dem Autobahnbau-Programm wurde auch Hitler gutgeschrieben. Obwohl dieses Streckennetz (Planungen erfolgten ab dem Anfang der 20er Jahre) bereits 1932 als Arbeitsbeschaffungsprogramm \u201eaufgelegt\u201c wurde. Aber wir alle jubelten Hitler zu, als den Retter und Heilsbringer der Deutschen.<br \/>Ja, wie soll ich sagen, die Kassen klingelten, die Wirtschaft kam aus der Krise, nicht zuletzt durch die Wiederbewaffnung. Die Menschen hatten wieder Zutrauen in die Zukunft. So waren viele Menschen zufrieden mit sich und der Neuen Zeit.<br \/>Viele, sehr viele, man ist geneigt fast zu sagen A L L E \u00a0arrangierten sich, selbst ehemalige Gegner wollten von nun an mit dazu geh\u00f6ren zu denen, die Deutschland neues Leben einhauchten und das Land wieder zu alter St\u00e4rke f\u00fchren w\u00fcrden und dabei ihr pers\u00f6nliches Wohlergehen als ein St\u00fcck vom gro\u00dfen Kuchen abzukriegen.<br \/>An den im Fr\u00fchjahr 1933 einsetzenden Sturm auf die Mitgliedschaft in der NSDAP beteiligte ich mich auch. Meine Kunden waren fast ausnahmslos stramme, deutschnational gesinnte M\u00e4nner, die die neue Zeit mehr als begr\u00fc\u00dften. Zudem war ich schon 1920 in den<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stahlhelm,_Bund_der_Frontsoldaten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Stahlhelm <\/a>und wenige Wochen sp\u00e4ter in die<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutschv%C3%B6lkische_Freiheitspartei\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Deutschv\u00f6lkische Freiheitspartei<\/a> eingetreten.<br \/>So kam es, dass ich mit vielen meiner Kunden schon seit Jahren \u201eauf einer Wellenl\u00e4nge\u201c schwamm. Folgerichtig wollte ich jetzt der ganzen Sache die Krone aufsetzen, um zur creme de la creme zu geh\u00f6ren. Zu F\u00fchrers Geburtstag am 24. April 1933 stellte auch ich den Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP. Ich wollte auch auf der Seite der Sieger stehen und auf keinen Fall abseits. Niemand konnte ahnen, dass aus M\u00fcnchen ein Aufnahme Stopp verh\u00e4ngt werden w\u00fcrde (es sollten die alten Gegner, wie KPD- oder SPD-Mitglieder nicht einfach nun NSDAP-Mitglieder werden k\u00f6nnen). Durch die seit Jahren bestehende ADAC-Mitgliedschaft war ich \u201eautomatisch\u201c im NS-Kraftfahrer-Korps (NSKK) gelandet, das auch eine Organisation der NSDAP war. \u201eGute Freunde\u201c rieten mir gut zu, einen Antrag auf Aufnahme in die SA zu stellen. So h\u00e4tte ich wenigstens schon einen Fu\u00df in der T\u00fcr und diese Entscheidung w\u00fcrde sich positiv auf das Aufnahmeverfahren in die NSDAP auswirken. Und so kam es, dass ich am 15. Juni 1933 um Aufnahme in die SA bat. Dort wurde ich bis zum Oberscharf\u00fchrer (entsprach bei der Wehrmacht: Unterfeldwebel) bef\u00f6rdert (09.11.1937).<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Aber bereits im August wurde ich r\u00fcckwirkend zum 1. Mai 1933 (wiedererwarten schon) Parteimitglied in der NSDAP. Es war ein Hochgef\u00fchl, dass ich Jahre sp\u00e4ter so nicht mehr nachvollziehen konnte.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Aber wie gesagt, das &#8222;Fremdsch\u00e4men&#8220; sollte sich erst sp\u00e4ter einstellen. Bis dahin durchlebten wir, Dina, unsere beiden T\u00f6chter und ich eine gl\u00fcckliche, vielleicht meinten wir sogar unsere gl\u00fccklichste Zeit in unserer Ehe. Dem Land ging es gut, und wir partizipierten daran in erheblichem Ma\u00dfe. Wie \u00fcbrigens Sommermeyer\u2018 s auch. Obwohl Max erst 1934 die Ziegelei wieder anfahren konnte, f\u00fchrte er in den n\u00e4chsten Jahren die Ziegelei zu einem Vorzeige-Unternehmen, was ihm 1938 auch den Titel \u201eNS-Musterbetrieb\u201c und jeweils in den Jahren 1939 \u2013 1941 die<a href=\"http:\/\/www.lebensgeschichten.net\/selcont3.asp?typ=L&amp;value=1025\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> \u201eGoldene Fahne\u201c<\/a> der Deutschen Arbeitsfront einbrachte.<br \/>Dazu kam meine T\u00e4tigkeit in der \u201ePrivilegierten Sch\u00fctzengesellschaft Gera seit 1660\u201c bzw. im Th\u00fcringischen Sch\u00fctzenbund, in denen ich ma\u00dfgebliche Verantwortung und F\u00fchrungsaufgaben \u00fcbernahm. Ich war im gesellschaftlichen Leben, nicht nur als Gesch\u00e4ftsmann, sondern auch als Pers\u00f6nlichkeit hoch angesehen und hatte \u00fcberall meine Beziehungen.<br \/>Man hatte das Gef\u00fchl, das ganze Deutschland marschiert im Gleichschritt zu immer neuen H\u00f6hepunkten. 1936 die Sommer- und Winter-Olympiade in Berlin und Garmisch-Partenkirchen. Deutschland war f\u00fcr wenige Wochen der Mittelpunkt der Welt.<br \/>1938 im M\u00e4rz der Anschluss \u00d6sterreichs, dann das M\u00fcnchner Abkommen im September und im Fr\u00fchjahr 1939 die \u201eZerschlagung\u201c der Resttschechei \u2013 alles Erfolge Hitlers auf dem Weg \u201eDeutschland ist wieder wer\u201c, \u201ean uns f\u00fchrt kein Weg mehr vorbei\u201c \u2013 \u201ewir lassen uns nichts mehr gefallen\u201c.<br \/>Im November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Auch die in Gera am Ro\u00dfplatz. Wir durchschauten die Goebbels&#8216; sche Propaganda nicht, die nun den Juden f\u00fcr alles verantwortlich machte (f\u00fcr was denn eigentlich; also auf Anhieb konnte ich diese Frage zu keiner Stunde aus dem &#8222;Stand&#8220; beantworten), so dass der \u201eVolkszorn sich folgerichtig\u201c an ihnen entlud.<br \/>F\u00fcr was \u201ealles\u201c der Jude eigentlich \u201ebezahlen\u201c musste, danach haben wir nicht gefragt. Das Gef\u00fchl war kein gutes dabei, keiner unserer Freunde oder Bekannten unternahmen etwas dagegen sowie wir auch nicht. Gegenseitig best\u00e4tigten wir uns im Freundeskreis, im Nichthandeln und schufen uns so einen gemeinsamen Referenzrahmen, man m\u00f6chte sagen eine heile Welt, beruhigten so unser Gewissen.<br \/>Die immer mehr anziehenden Repressalien gegen\u00fcber den Juden, dass sich beispielsweise im Durchgangsverbot des Knochenparks (heute Park der Jugend) in Gera, damals \u201eHorst-Wessel-Hain\u201c an der Trinitatiskirche f\u00fcr sie pervertierten, registrierten wir alle wohl ganz genau, waren aber nicht willens nachzudenken oder Diskussionen aufkommen zu lassen. Eher kam die nebul\u00f6se, anonyme, selbstbeweihr\u00e4ucheriche Haltung auf, das haben sie nun davon. Unser selbst geschaffene \u201eheile Welt\u201c war schl\u00fcssig.<br \/>Als dann sp\u00e4ter immer mehr der j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger \u201everschwanden\u201c, war das eigentlich f\u00fcr uns nur die konsequente Umsetzung der schon lange angezeigten Volksbereinigung bzw. \u201eVolkshygiene\u201c. F\u00fcr uns, die kaum Kontakt mit Juden hatten, war das anonym und dadurch auch in Ordnung. Wir machten uns auch keine gro\u00dfen Gedanken, was mit den zur\u00fcckgelassenen M\u00f6beln, dem ganzen Hausrat geschah. Wir gingen zu den Auktionen nicht hin, wo das widerrechtlich erworbene, mobile Eigentum der Deportierten feilgeboten und versteigert wurde. Was geschah mit den Immobilen und Verm\u00f6genswerten? Wohin eigentlich die Menschen gebracht und was mit ihnen geschehen w\u00fcrde? Wir fragten nicht!<br \/>Nun, f\u00fcr die \u201ezur\u00fcck gelassenen&#8220; Sachen, Hausrat, M\u00f6bel und Immobilien fanden sich erstaunlich schnell neue Besitzer aus allen Schichten der sogenannten Volksgemeinschaft.<br \/>Namhafte Juden wurden schon Anfang der Drei\u00dfiger enteignet, wie u. a. die Familie Simson in Suhl, f\u00fcr die ich ja Autovertreter war. In Gera betraf das u. a. die Biermanns und Tietz\u2018. Alles hatte seine Richtigkeit. Wir sahen keine Juden mehr und damit war die Sache f\u00fcr uns erledigt.<br \/>Der nationale H\u00f6hepunkt des inzwischen fest installierten F\u00fchrerkults war im April 1939 Hitlers 50. Geburtstag. Ein Land feierte sich selbst. Die neue Reichskanzlei an der Ecke Wilhelm-\/Vo\u00dfstr. in Berlin war beredtes Zeugnis f\u00fcr das neue Gro\u00dfdeutschland. Berlin erlebte die gr\u00f6\u00dfte Truppenparade entlang der neu von Albert Speer geschaffenen Ost-West-Achse beginnend am Brandenburger Tor in seiner Geschichte mit mehr als 40.000 Soldaten und Offizieren. Alle dachten und hofften, dass Deutschland nun keine Forderungen mehr an Europa stellen w\u00fcrde. Wir w\u00fcnschten uns, dass das Erreichte auf immer und ewig so bleiben sollte.<br \/>Dann Ende August 1939! Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion \u2013 jetzt ist Europa befriedet, die Gro\u00dfen haben sich geeinigt.<br \/>Als am 1. September in Polen \u201ezur\u00fcckgeschossen wird\u201c, sahen wir das als finale Notwendigkeit an, damit Deutschland \u00a0e n d l i c h \u00a0in Ruhe und nach seiner Fasson leben konnte. Aber irgendwie hatte unser F\u00fchrer den Bogen \u00fcberspannt und die Rechnung ohne unsere westlichen Gegner, allen voran den Engl\u00e4ndern gemacht, die doch bis jetzt alles geschluckt hatten. Bis hier her und keinen Schritt weiter, war jetzt auf einmal ihr Standpunkt. Hatte er die Sache \u00fcberreizt, die Engl\u00e4nder doch falsch engesch\u00e4tzt? Frankreich und England erkl\u00e4rten Deutschland den Krieg. Wie 1914 griffen binnen weniger Tage, ja Stunden so will man meinen, die B\u00fcndnisse. Aber Kritik am F\u00fchrer gab es nicht. Die alten Feinde g\u00f6nnten Deutschland eben nicht den Aufschwung, so meinten wir, wie es uns die Propaganda eintrichterte.<br \/>Alle Menschen hatten immer noch die Schreckensereignisse von 1914\/18 vor Augen und waren zun\u00e4chst vom Krieg nicht begeistert, hatten Angst, dass es wieder keinen Sieg geben w\u00fcrde, wie wir auch. Das Leiden und der Tod, die tiefe Schmach, der Hunger und die Erniedrigungen sowie die tiefe Depression waren noch allgegenw\u00e4rtig.<br \/>Aber unsere Wehrmacht eroberte Polen innerhalb von nur 6 Wochen und pl\u00f6tzlich war dieser Krieg ja gar kein Krieg, wie bisher bekannt und erlebt. Wir hatten einen grandiosen Sieg errungen (der uns allerdings mehr Menschenleben kostete als wir wahrhaben wollten und uns erz\u00e4hlt wurde) und das Nationalgef\u00fchl hatte eine neue Dimension erreicht \u2013 wir waren die Gr\u00f6\u00dften. Deutschland \u00fcber allen.<br \/>Nun muss man allerdings festhalten, dass beim Anlaufen der ganzen Kriegsmaschinerie f\u00fcr uns als Einzelne immer weniger \u201eWahlm\u00f6glichkeiten und Handlungsalternativen, die die Pluralit\u00e4t der Rollen im zivilen Alltag bereith\u00e4lt\u201c, gegeben waren. Der Teufelskreis war geboren. Nun hie\u00df es \u201emit gefangen mit gehangen\u201c.<br \/>Schon bald hatten wir unsere Kriegshelden, wie bspw. den Kapit\u00e4nleutnant G\u00fcnter Prien mit seinem Unterseeboot U47, das den Engl\u00e4ndern eine peinliche Schlappe gleich im Herbst 1939 in Scapa Flow beibrachte, oder denkt man nur an die Fliegerasse wie Werner M\u00f6lders oder Adolf Galand.<br \/>Im Westen an der Maginot-Linie, oder wie wir sagten, am Westwall, tat sich im Herbst 1939 so gut wie nichts. England und Frankreich hatten uns zwar den Krieg erkl\u00e4rt, taten aber nichts, um uns zu \u201estrafen\u201c oder gar Polen zu helfen, f\u00fcr das sie auf der Grundlage ihrer B\u00fcndnispolitik ja in den Krieg gezogen waren.<br \/>Dann im Mai 1940 der Frankreich-Feldzug. Auch hier war nach 6 Wochen mit der Kapitulation Frankreichs und der chaotischen Flucht des englischen Expeditions-Korps aus D\u00fcnkirchen Schluss.<br \/>Jetzt war die Kriegsstimmung in Deutschland sp\u00e4testens gekippt. Nun waren alle f\u00fcr den Krieg, der uns ja von au\u00dfen auf diktiert wurde, wie schon 1914. Deutschland stand voll und ganz hinter seinem F\u00fchrer.<br \/>Lediglich die Familien, die ihren Mann, Sohn oder Bruder beweinten, taten sich schwer mit der Kriegseuphorie. Sie waren die Ersten, die Teile der sich in den n\u00e4chsten Jahren auflaufenden Zeche bereits jetzt bezahlten.<br \/>Der Kriegsrausch 1940 bis zum Fr\u00fchjahr 1941 nahm ganz Deutschland in seinen Bann. Die Wehrmacht eilte von Sieg zu Sieg und Europa war von Deutschland fast vollst\u00e4ndig erobert. Lediglich die Schweiz war als Enklave noch eigenst\u00e4ndig.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Der \u00dcberfall auf die Sowjetunion dann im Juni 1941 l\u00f6ste zun\u00e4chst ein mulmiges Gef\u00fchl der \u00dcbersch\u00e4tzung unserer Kr\u00e4fte aus. Die Anfangserfolge und der beinahe ungehinderte Marsch der Wehrmacht bis kurz vor Moskau bis in den Dezember, lie\u00dfen alle Kritiker und Def\u00e4tisten zun\u00e4chst verstummen. Wieder einmal hatte Hitler bewiesen, Deutschland hat zu alter Gr\u00f6\u00dfe zur\u00fcckgefunden.<br \/>Aber das ungute Gef\u00fchl kehrte schon bald zur\u00fcck, als wir angehalten waren im Rahmen des Winterhilfswerkes f\u00fcr unsere Soldaten warme Kleidung zu sammeln, da diese offensichtlich an der Front fehlte.<br \/>Auch die Berichte der Soldaten, die auf Urlaub von der Front weilten, \u00fcber \u201enotwendige\u201c S\u00e4uberungsaktionen im Hinterland der Ostfront und schon seit Anfang an in Polen, machten bald die Runde. F\u00fcr uns alle noch kein Grund zu Beunruhigung \u2013 Krieg ist eben Krieg, das ist kein Zuckerschlecken. Schlie\u00dflich muss einer die Drecksarbeit erledigen. Nur wenige Soldaten \u00e4u\u00dferten sich, wenn wir diesen Krieg verlieren, dann Gnade uns Gott. Diese Miesmacher wurden aber nicht \u201ezugelassen\u201c, das lie\u00df man nicht gelten. Denn schon einmal hatte die Heimatfront ihre Soldaten im Stich gelassen, dass sollte sich nicht noch einmal wiederholen.<br \/>Unser Gesch\u00e4ft ging nach wie vor sehr gut. Nun kamen die S\u00f6hne unserer Bekannten und Kunden, mittlerweile alles Soldaten und Offiziere und kauften bei uns ihre pers\u00f6nliche Pistole vornehmlich der Marke Mauser, der besten Handfeuerwaffe der damaligen Zeit, ein. Auch G\u00fcnter und Heinrich Sommermeyer besorgten sich bei \u201eihrem\u201c Onkel Erich die begehrten Pistolen.<br \/>Der Kriegsverlauf im Fr\u00fchjahr und Sommer 1942 und die bereits als Sondermeldung verk\u00fcndete Einnahme Stalingrads im tiefen, weiten russischem Steppenland am Wolgaknie sorgte f\u00fcr eine erneute Zuversicht, dass der Krieg auch in Ru\u00dfland letztendlich doch gewonnen werden wird. Er w\u00fcrde eben nur etwas l\u00e4nger als die anderen Feldz\u00fcge dauern.<br \/>Ich kann nicht mehr sagen, wann die ersten Fl\u00fcstermeldungen \u00fcber die Einkesselung der 6. Armee in Stalingrad uns erreichten. Glaube aber im Nachhinein, dass diese Nachricht uns doch ziemlich zeitnah zukam, also schon Ende November Anfang Dezember 1942. Da offiziell keine Einkesselung stattgefunden hatte, hingen wir an den t\u00e4glichen Radiomeldungen, und hofften doch noch auf Berichte und nat\u00fcrlich gute Nachrichten.<br \/>Umso gr\u00f6\u00dfer dann der Schock am 30. Januar 1943 bei G\u00f6rings Rede zum 10. Jahrestag der \u201eMachtergreifung\u201c. Stalingrad war in seiner Rhetorik bereits untergegangen. Mit viel Pathos sprach G\u00f6ring vom Soldatsein und dass es dem Soldaten v\u00f6llig gleichg\u00fcltig sei, wo er stirbt. Hauptsache er dient dem Vaterland: [popup_anything id=&#8220;1479&#8243;]<br \/>Das empfand ich als \u00e4u\u00dferst geschmacklos den Opfern und ihren Angeh\u00f6rigen gegen\u00fcber, denn der Kessel hatte ja noch nicht kapituliert. Das geschah erst am 31. Januar bzw. 2. Februar 1943, wie wir dann aus der Zeitung erfuhren.<br \/>Dieser Schock wirkte paralysierend, keine Zuversicht mehr, die Bombardierung der Gro\u00dfst\u00e4dte nahm stetig zu und von der Front nur noch planm\u00e4\u00dfige, r\u00fcckw\u00e4rtsorientierte Begradigungen. Alles sollte im Lot sein und war es schon lange nicht mehr \u2013 es ging bergab. So richtig wurde mir das klar, als auch im Sommer 1943 bei Kursk die letzte Offensive nach nur wenigen Tagen trotz neuer, modernster Panzer f\u00fcr die Wehrmacht zusammenbrach. Goebbels Sportpallastrede vom Februar 1943 \u201ewollt ihr den totalen Krieg\u201c hatte nur kurzzeitig f\u00fcr neuen Mut gesorgt. Sp\u00e4testens mit Kursk im Sp\u00e4tsommer war auch diese Euphorie dahin.<br \/>Im Fr\u00fchjahr 1943 hatten meine Beziehungen endlich Erfolg. G\u00fcnther Sommermeyer wurde nach mehreren vergeblichen Anl\u00e4ufen endlich zum Offizier bef\u00f6rdert. Max hatte mich darum gebeten, hier mit aktiv zu werden und meine Beziehungen spielen zu lassen.<br \/>Das es wieder ein verlorener Krieg werden w\u00fcrde, zeichnete sich nun immer deutlicher ab \u2013 offiziell verlief alles planm\u00e4\u00dfig, alles fest in deutscher Hand.<br \/>Ich hatte auch keinen Vertrauten, mit dem ich mich austauschen konnte. Dina wollte ich mich nicht anvertrauen, ich h\u00e4tte sie nur unn\u00f6tigerweise beunruhigt.<br \/>Erika und Anneliese waren in der Schule so vom System vereinnahmt, dass sie auf keinen Fall daf\u00fcr ein Gespr\u00e4chspartner waren. Sie waren \u00fcberzeugt, der F\u00fchrer wird\u2019s schon richten. Und meine Mutter lebte in ihrer eigenen Welt. Schrieb sich viel mit Amerika so lange wie das m\u00f6glich war und auch mit Berlin pflegte sie einen stetigen Briefwechsel.<br \/>Immer \u00f6fter erreichten uns nun Nachrichten von Bekannten und befreundeter Familien, deren Sohn oder Vater gefallen war. Im Dezember 1943 dann die Schreckensnachricht aus Leumnitz, G\u00fcnther war an der Ostfront schwer verwundet, liegt in Bad Harzburg und ringt mit dem Tod.<br \/>Ja, so kam eine Schreckensnachricht zur anderen, eigentlich wenige Meldungen waren dazu angetan noch an das gute Ende zu glauben. Wir waren mittendrin, keine Wahlm\u00f6glichkeit zu den t\u00e4glich anstehenden Problemen, die uns \u00fcber Rundfunk oder Zeitung erreichten. Wir funktionierten und beteten zu Gott, dass doch noch alles wieder erwarten gut werden w\u00fcrde.<br \/>Dann Sommer 1944 das Attentat auf Hitler. Ist denn jetzt die ganze Welt verr\u00fcckt geworden! In dieser Situation ein Attentat zu veranstalten. Haben die nichts Besseres zu tun als unseren F\u00fchrer, der Einzige der die Katastrophe noch abwenden kann, in die Luft zu jagen?<br \/>So habe ich damals gedacht und da war ich nicht der Einzige. Jahre sp\u00e4ter wurde mir erst klar, dass das Attentat eine Chance gewesen ist und die M\u00e4nner sehr viel Mut bewiesen hatten. Sie waren keine Vaterlandsverr\u00e4ter! Ganz im Gegenteil! Sie standen bereits f\u00fcr ein neues Deutschland ein, ohne die braune, korrupte Kaste.<br \/>Dann ging alles eigentlich recht schnell. Am 6. April 1945 der gr\u00f6\u00dfte Bombenangriff auf Gera dem u. a. das Schloss Osterstein zum Opfer fiel. Mehr als 400 Tote waren zu beklagen, die Innenstadt um den Ro\u00dfplatz und Heinrichstr. herum waren schwer besch\u00e4digt, Wohnh\u00e4user in der Plauenschen Str. bspw. v\u00f6llig zerst\u00f6rt.<br \/>10 Tage sp\u00e4ter am 14. April besetzten die Amerikaner Gera. Der Krieg, d. h. die Kampfhandlungen waren f\u00fcr uns in Gera vorbei.<br \/>F\u00fcr uns dauerte der Krieg noch weit \u00fcber den 8. Mai 1945 hinaus an. Am 2. Juli 1945 wechselte die Besatzungsmacht von den Amis zu den Russen. Nachdem die Amis &#8222;alles&#8220; hatten &#8222;mitgehen lassen&#8220;, kamen die Russen. Wieder gab es Pl\u00fcnderungen, von dem bisschen was noch da war. Unser &#8222;Waffen&#8220;-Gesch\u00e4ft wurde \u201efolgerichtig\u201c im Dezember 1946 unter Sequester gestellt, auf Grund angeblicher Kriegsverbrechen meinerseits. Was Sportwaffen bzw. Jagdgewehre mit Kriegsverbrechen zu tun haben, hat mir keiner erkl\u00e4rt. Im September 1945 hatten mich die Russen sogar verhaftet (nat\u00fcrlich fr\u00fch im Morgengrauen, wie das beim sowjetischen Geheimdienst NKWD \u00fcblich war) und im Lager Frankfurt\/O. auf dem Weg nach Osten allerdings schon wieder nach Hause geschickt. Die Beziehungen zu den Russen, wir reparierten ihre Jagdgewehre, nutzte Dina f\u00fcr meine \u201eR\u00fcckf\u00fchrung\u201c.<br \/>Zum 30. Juni 1948 wurden unser Gesch\u00e4ft mitsamt dem privaten Wohnhaus enteignet. 26 Jahre waren weg, von heute auf morgen.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Im April 1949, wenige Tage nach der Geburt der Zwillinge mussten wir ausziehen.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Erst mit der Neugr\u00fcndung unserer Existenz Anfang der 50er und des zunehmenden Erfolgs des Z\u00e4hlger\u00e4tewerkes war der Krieg f\u00fcr uns wirklich \u00fcberwunden.<br \/>Damals empfanden wir die Repressalien der Besatzer und nat\u00fcrlich auch ihrer deutschen Helfershelfer und die letztendlich vollzogene Enteignung als willk\u00fcrliches Unrecht, obwohl doch eine Volksbefragung am 30.06.1946 in Sachsen stellvertretend f\u00fcr die SBZ stattgefunden hatte und mehr als 70% f\u00fcr die Enteignung von Kriegsverbrecher stimmten.<br \/>Ich war doch keine Kriegsverbrecher. Oder doch?<br \/>Wer von den neuen Bestimmern hatte mit mir noch eine Rechnung offen?<br \/>Wir waren doch nur Mitl\u00e4ufer, haben nur, wie viele andere auch, den Krieg mit verloren.<\/p>\n<p>Viele Jahre sp\u00e4ter, vielleicht erst mit der Rede Richard von Weizs\u00e4ckers am 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag, also 40 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation unseres Volkes wurde mir bewusst, was in den 12 Jahren Naziherrschaft mit uns geschehen war. Wir hatten einen hohen Preis mit dem Verlust unserer gesamten Existenz f\u00fcr den blinden Gehorsam bezahlt. Nicht zuletzt daf\u00fcr, dass wir weggeschaut, unsere moralischen Bedenken weggewischt, unseren normalen Menschenverstand ausgeschaltet und uns blindlings auf das verlassen haben, was uns versprochen und prophezeit wurde. Haben uns erkl\u00e4ren lassen, was wir doch gar nicht gesehen haben, was in der Wirklichkeit doch ganz anders aussah. Mit Euphorie und Begeisterung sind wir der \u201ehohen Fahne\u201c blindlings gefolgt.<br \/>Was h\u00e4tten wir tun sollen? <br \/>Hatten wir eine Wahl, eine Alternative in unseren Entscheidungen bzw. in unseren Unterlassungen?<br \/>Ich kann die Fragen nicht beantworten.<br \/>Wenn wir in die innere Emigration gegangen w\u00e4ren, h\u00e4tte das was am Lauf der Dinge ge\u00e4ndert?<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Wie w\u00fcrde ich mich heute, wenn so was wieder passieren w\u00fcrde, verhalten?<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht muss ich festhalten, dass diese Zeit in der absoluten Katastrophe f\u00fcr uns alle enden MUSSTE! Wir haben uns als Werkzeug benutzen lassen, haben zugelassen, dass die W\u00fcrde des Menschen \u201eangetastet\u201c, in brutaler Weise mit F\u00fc\u00dfen getreten, gebrochen und vergewaltigt, zig Millionen unschuldiger Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Was bleibt ist ein dumpfes Gef\u00fchl von Schuld.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Die Erkenntnis kommt sp\u00e4t, sehr sp\u00e4t. F\u00fcr unsere Enkel und deren Kindeskinder, hoffentlich nicht zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Nun, so viel wollte ich eigentlich gar nicht \u00fcber diese schreckliche Zeit erz\u00e4hlen, aber jetzt f\u00fchl ich mich besser, denn das musste einmal gesagt werden.<br \/>Es hatte mich schon lange, sehr lange bedr\u00fcckt und umgetrieben. Jetzt habe ich meine Ruhe gefunden. Konnte endlich dar\u00fcber reden &#8211; schreiben.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:buttons --><\/p>\n<div class=\"wp-block-buttons\">\n<p><!-- wp:button --><\/p>\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"http:\/\/wp13457063.server-he.de\/sub\/erich-und-dina\/in-der-nazizeit\/\">zur\u00fcck <\/a><\/div>\n<p><!-- \/wp:button --><\/p>\n<\/div>\n<p><!-- \/wp:buttons --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieso hatte Hitler so einen Erfolg und ganz Deutschland ist ihm hinterhergelaufen, wie einst die Kinder in Hameln? Diese Frage hat mich all die Jahre nicht losgelassen. Bis zu meinem Tod habe ich alles totgeschwiegen, nie \u00fcber diese Zeit ein Wort verloren. 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